Quartierarbeit Herblingen

Im Quartier Herblingen leben rund 5000 BewohnerInnen, davon sind ca. 800 zwischen 10 und 20 Jahre alt. Der Ausländeranteil liegt bei 27% und ist damit im Vergleich mit anderen Schaffhauser Quartieren der zweithöchste. In Herblingen kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Konflikten zwischen (meist schweizerischen) Erwachsenen und (mehrheitlich ausländischen) Jugendlichen. Die Jugendlichen halten sich häufig im öffentlichen Raum auf, was nicht selten mit Lärm, Vandalismus und manchmal auch Gewalt, verbunden ist.

Die damals vom Trägerverein Jugendarbeit Schaffhausen (TJS) geführte offene Jugendarbeit konzentrierte sich bis Mitte 2005 vor allem auf den Betrieb des Jugendtreffs in der Altstadt. In den Aussenquartieren beschränkte sich das Angebot auf die Arbeit der Jugendverbände und vereinzelte offene Angebote der Kirchgemeinden. Im Zusammenhang mit den laufenden Quartierentwicklungsprojekten zeigte sich jedoch, dass offene Jugendarbeit in den Quartieren ein wichtiger Bestandteil von Aufwertungs- und Integrationsbestrebungen ist. Dies hat zu einer Neuausrichtung der offenen Jugendarbeit geführt und zusammen mit dem TJS und dem Quartierverein Herblingen rief die städtische Quartierarbeit das Projekt “sozialräumliche Jugendarbeit“ ins Leben.

Dieses Projekt wurde von der Eidgenössischen Ausländerkommission (EKA) im Rahmen der Förderung der Integration von AusländerInnen massgeblich finanziell unterstützt, so dass eine auf zwei Jahre befristete 80%-Projektstelle möglich wurde. Als Einführung der sozialräumlichen Jugendarbeit wurde über „Brüll-TV“ eine aktivierende Bedarfserhebung durchgeführt. Dies mit dem Ziel, erstens detailliertere Aussagen über Bedürfnisse der Jugendlichen im Quartier machen zu können und zweitens, eine Anzahl Jugendlicher dazu zu animieren, sich für ihre Ideen und Interessen zu engagieren. Voraussetzung dafür war eine enge Zusammenarbeit mit den Quartierorganisationen (Schule, Kirche, Quartierverein), welche als "Türöffner" dienten und die Idee im Quartier verankern konnten.

Glücklicherweise konnte die Projektstelle Quartierarbeit Herblingen mit einem Praktikumsplatz für Jugendarbeit verstärkt werden, so dass sich von Beginn an ein Zweier-Team im Quartier betätigen konnte. Dies hatte den Vorteil, dass sich die Jugendarbeit ganz auf die Zielgruppe Jugendliche konzentrieren konnte, über die konkrete Projektarbeit mit den Jugendlichen jedoch auch Kontakte zu Eltern aufgebaut wurden, welche wiederum von der Quartierarbeit genutzt werden.

Die Räumlichkeiten der Quartier- und Jugendarbeit Herblingen befinden sich bewusst am Rande der Siedlung „Im Brüel“: die Siedlung besteht aus rund 206 Wohnungen, die BewohnerInnen sind zu 60% ausländischer Herkunft und im Quartier hat dieser Wohnort einen schlechten Ruf. Die Situation ist somit sehr mit dem Birch vergleichbar, so dass denn auch einige der Interventionsmöglichkeiten aus dem Birch auf die Siedlung Im Brüel übertragen wurden.

Auswertung
Projektziele Umsetzung
Mit dem Projekt werden Jugendliche erreicht, welche sich nicht für die Angebote der im Quartier bestehenden Organisationen (Quartierverein, Jugendverbände, etc.) interessieren und deren Anliegen deshalb bisher kaum (oder ungenügend) wahrgenommen werden konnten. Einige der Jugendlichen aus der Siedlung Im Brüel sind im FC und einige Kinder in der tamilischen Kindertanzgruppe, ansonsten sind sie weder in der Cevi, noch im Quartierverein anzutreffen. Mit den Angeboten wie Freizeitanimation und Jugendraum, oder über die Projekte BMX-Bahn und Brüll-TV konnten viele dieser Jugendlichen erreicht werden.

In den beiden Quartieren Hochstrasse und Herblingen wurde je eine Arbeitsgruppe gebildet, welche sich den Anliegen der Jugendlichen widmet. In den Gruppen sind VertreterInnen der Quartiervereine, der Kirchen und interessierte Freiwillige.

Die Jugendlichen werden nicht von ihren informellen Treffpunkten vertrieben. Die Jugendarbeit interveniert und vermittelt bei allfälligen Konflikten zwischen Jugendlichen und Jugendlichen, oder Jugendlichen und Erwachsenen im öffentlichen Raum. Im Quartier Herblingen geht es vor allem um das Areal der beiden Primarschulhäuser Kreuzgut und Hohberg. Hier treffen sich sowohl SchülerInnen in ihrer Freizeit zum Ballspielen, als auch Jugendliche zum nächtlichen Alkoholkonsum. Da dies seit einigen Jahren zu Beschwerden der Anwohnerschaft führt, wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, welche Massnahmen für eine Verbesserung der Situation entwickelte. Der Stadtrat hat diese Vorschläge abgesegnet und sie werden zur Zeit realisiert.

Die im Quartier bestehenden Organisationen öffnen sich auf eine Art und Weise, dass MigrantInnen erreicht werden und partizipieren können Die Verwaltung der Liegenschaften der Siedlung Im Brüel war gegenüber dem Projekt zu Beginn relativ kritisch eingestellt. Inzwischen unterstützt sie jedoch die jährlich stattfindenden Siedlungsfeste finanziell und ideell.

Im Quartier Herblingen erhalten die BewohnerInnen Möglichkeiten über die Quartierarbeit an der Quartierentwicklung zu partizipieren. Nebst der Befragung der Jugendlichen während dem Projekt Brüll-TV, führte die Quartierarbeit gemeinsam mit ÜbersetzerInnen eine Befragung der SiedlungsbewohnerInnen durch. Dabei wurde nach der Zufriedenheit, Veränderungsvorschlägen und Möglichkeiten der Beteiligung gefragt. Entstanden sind daraus u.a. ein Kultur-Koch-Club, ein Mädchentreff, Deutschkurse für Frauen und für Kinder, eine Freizeitgruppe, welche Wanderungen und andere Aktivitäten organisiert, ein multikulturelles Organisationsteam für das Siedlungsfest und die Initiative für eine Verkehrsberuhigung rund um die Siedlung.

 

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